Hurra, habe soeben meine 36. Sommer überlebt!

August 18, 2017

Und wie ich mich jedes Jahr wieder auf die Sommerferien freue! Eine arbeitsintensive Zeit neigt sich im Juli dem Ende zu, die Emails und Facebook-News-Feeds nehmen drastisch ab und plötzlich reicht der iPhone-Akku sogar fast für zwei Tage. Natürlich ist da noch der gewohnte Schlussspurt von zwei obligaten Nachtschichten, damit man dann während den Ferien auch wirklich mal vom Arbeitsalltag abschalten kann. Und dann geht’s endlich los: Für uns Zeltners gilt es alle zwei Jahre im Sommer nach Rumänien zu fahren um die Familie meiner Frau zu besuchen. Es ist im Voraus klar, dass dies nicht mit schönen Hotelplan-Strandferien zu vergleichen ist, schliesslich verbringen wir da zwei Wochen im 6. Stock eines zu kommunistischen Zeiten erbauten Russenblocks. Vielleicht ist die Rede von Ferien falsch – nennen wir es lieber “Abenteuer”. 

 

Beginnen tut dies jeweils mit der 16-stündigen Fahrt Richtung Osten. Dieses Mal hatten wir das Vergnügen, dass bei 35°C Aussentemperatur die Klimaanlage unseres Sharans ausstieg und nebst der erdrückenden Hitze auch ziemlich viel Unmut im Auto herrschte. Bei unseren vier Kindern, die sich auch bei normalen Temperaturen auf den Rücksitzen gerne an den blonden Haaren ziehen, war diesmal der Geduldsfaden bereits nach einer Stunde gerissen. So musste ich während dem Fahren nicht nur drauf achten, dass ich in keine Radarfallen fahre, sondern zusätzlich immer wieder mit einer Hand nach hinten greifen und abwechslungsweise eines der Kinder mit starker väterlicher Zuneigung vor durchaus härteren Massnahmen warnen. Für alle Multi-Takser scheint dies nichts aussergewöhnliches zu sein, jedoch bestand meine Herausforderung zusätzlich darin, meine Fahrerverpflegung – die M&Ms, welche ich zwischen meinen Beinen vor den Kids zu verstecken versuchte, nicht zu verschütten. 

 

Nach acht (gefühlten zwölf) Stunden Fahrt kamen wir endlich in Wien an um dort zu übernachten. Da man als 6-köpfige Familie kein genug grosses Hotelzimmer finden kann, blieb uns nichts anderes übrig als in einer Jugendherberge einen “Sechserschlag” mit Kajüten zu buchen. Natürlich teilt man da auch ein Gemeinschaftsbad mit all den Junggesellen aus Amerika, die in ihrem Leben offenbar noch nie von zu Hause weg waren und sich’s gewohnt sind, dass Mom den Scheiss wieder sauber macht. Anyhow, wir haben’s überlebt und unsere Kinder sind ein Stück dankbarer geworden, dass auch bei uns zu Hause in der schönen Schweiz Mami den Scheiss immer wieder sauber macht. Am nächsten Tag ging’s in Wien in die Badi. Das Thermometer zeigte stolze 36,7°C an und wir wollten uns vor der Weiterreise noch kurz eine Abkühlung gönnen und etwas relaxen. Aber bis man seinen vier Kindern die Badehosen angezogen, Sonnencreme eingeschmiert, Schwimmhilfen aufgeblasen und jeder noch sein Geschäft auf der Toilette verrichtet hat, ist man doppelt ferienreif. Umso mehr genossen wir dann ein paar Stunden im kühlen Nass, waren uns aber nie bewusst, dass man nach dem Besuch einer Wiener Freiluftbadeanstalt mit einer rosaroten Hautfärbung aus-checked. Ja, wir haben es tatsächlich geschafft, uns schon am zweiten Tag unserer Sommerferien dermassen zu verbrennen, dass wir für die nächsten sieben Tage nicht mehr an die Sonne durften. So mussten wir uns gezwungenermassen eine Woche lang im Russenblock meiner Schwiegereltern einbunkern und brachten dank unserer pinken Haut für einmal etwas Farbe in den sonst so grauen Plattenbau rein. Wer aber denk, dass Sommerferien im 6. Stock einer typischen 80-Quadratmeter-Sowjet-Wohnung mit einer durchschnittlichen Innentemperatur von 29,5°C für vier Kinder und vier Erwachsene (gefühlte 5 Erwachsene, schliesslich redet meine Schwiegermutter so viel wie zwei Mütter zusammen) langweilig sei, hat sich getäuscht. 

 

Speziell zu erwähnen wären da die nächtlichen Observierungen und Hetzjagden der lokalen Fauna. Meiner Vermutung nach hat es sich unter den Rumänischen Mückenschwärmen rumgesprochen, dass da für kurze Zeit süsses Schweizer Blut zu haben sei. So schienen die Biester auch vor dem abschreckenden Antibrumm-Gestank nicht Halt zu machen, um an etwas zartes Schweizer Fleisch ranzukommen. Aber die Plagegeister hatten wohl nicht damit gerechnet, dass sie es hier mit DÄN the Man zu tun haben, der sonst im Alltag wegen seiner pastoralen Verantwortung alle seine Rambo-Gelüste unterdrückten muss. Und so habe ich mir während meinen Ferien die Freiheit genommen mich selbst zu sein und, wie so oft auch in den Nächten vom Samstag auf Sonntag, wo ich zwischen 2 und 5 Uhr morgens meine Predigten fertig schreibe und dabei zu Höchstleistungen auflaufe, nachtaktiv zu werden. Die nächtlichen Eskapaden führten aber dazu, dass ich am Morgen meine Stille Zeit verschlafen habe und dann eben ohne meinen Gott-Start in den Tag katapultiert wurde. Es ist und bleibt eine meiner grössten Herausforderungen, wenn ich nicht in meinem gewohnten Alltagsrhythmus bin, Raum für meine persönlichen Gebetszeiten zu finden. Ohne jetzt gleich übergeistlich zu werden und meinen Heiligenschein aufzusetzen, muss ich hiermit mal offen zugestehen, dass ich meinen Morgenspaziergang mit meinem Himmlischen Vater wirklich brauche. Sonst komme ich einfach nicht auf Touren und meine Mitmenschen bekommen dann einen überaus passiven, eigensinnigen und launischen DÄN Zeltner zu spüren. Ich hasse es, wenn ich mich selbst in dieser Haut erlebe – leider war dies die letzten paar Tage aber genau der Fall. Das absolut schlimmste für mich an Ferien sind nicht die Staus auf der Autobahn, der Verzicht aufs sonst so geliebte eigene Kopfkissen oder das Teilen meiner Zahnbürste mit meiner Frau, die einmal mehr vergessen hat ihre eigene einzupacken; das schmerzhafteste an Ferien ist die Konfrontation mit mir selbst. Denn wenn ich nicht das mache, was mich sonst ausmacht, dann zeigt sich eben, wer ich wirklich bin. Und irgendwie ist es alle Jahre dasselbe – zum 36. Mal! Ich bin kein Ferientyp. Ich komme mit Nichts-Machen nicht klar. Ich halte es nicht aus für eine ganze Woche none-stop mit meiner Familie zu verbringen ohne mich regelmässig absondern zu können. Ich funktioniere ohne To-Do-Liste nicht und kann nicht einfach planlos in den Tag hineinleben. Und nebst all dem bin ich absolut allergisch drauf, wenn einem die liebe Schwiegermutter dauernd bedrängt, die kaum getragen Kleider zu wechseln, damit sie diese waschen kann (dabei sollte doch über die Schweizer Landesgrenze hinaus klar sein, dass man sich in den Ferien nur alle sieben Tage rasiert und es sich mit dem wechseln der Kleider und Unterwäsche ähnlich verhält, da man ja sowieso die meiste Zeit in den Badehosen rumläuft – besonders bei 29,5°C Innen- und 34°C Aussentemperatur).

 

Um diesen Blog nicht zu düster abzuschliessen, muss EINES sicherlich erwähnt werden: Was mich überaus dankbar stimmt, ist dass Gott keine Ferien macht und er trotz meiner Unfähigkeit und Überforderung ihm nahe zu sein, mittendrin statt nur dabei ist. Während sich Oana und ich in den letzten paar Tagen mehr gestritten haben als dies im letzten halben Jahr der Fall war und ich meine Kinder öfters angebrüllt habe als eigentlich nötig gewesen wäre, durfte ich trotz all meiner Zwiespälte Gottes Gnade erleben. Da war immer wieder die sanfte Einladung des Heiligen Geistes, mich in all dem nicht ganz so ernst zu nehmen und mich doch am Hier-und-Jetzt zu erfreuen. Wer denkt, dass das Finden von Dankbarkeit für einen Schweizweitbekannten Lobpreisleiter und Pastor eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, hat sich voll getäuscht. Es ist und bleibt ein Kampf, den ich schon länger kämpfe. Der Drang etwas zu erreichen und mich selbst zu verwirklichen, hinterlassen oft eine Leere und Unzufriedenheit in mir. Zweieinhalb Wochen Sommerferien verstärken diese Symptome nur! Während diese Spannung in mir einmal mehr für viel Stress mit meiner Family gesorgt hat, kann ich doch sagen, dass Gott diese Ferien mit mir einen entscheidenden Schritt weiter gekommen ist. Wahrscheinlich werde ich auch nächstes Jahr bei meinen 37. Sommerferien noch nicht am Punkt sein, wo ich den Urlaub voll und ganz geniessen kann. Aber ich will es hiermit öffentlich machen und im World-Wide-Web verkünden, dass es mit DÄN Zeltner vorwärts geht! Und wenn es so weiter geht, dann werde ich rechtzeitig bevor ich mich von dieser Welt verabschiede zu einem richtigen Ferienspezialist und Family-Man. 

 

Es bleibt die Erkenntnis, dass die wirklich wichtigen Dinge bei Gott auch in den Ferien angesprochen werden – alles andere darf bei seinem Ewigkeitsplan während den Urlaub auch mal Pause machen. Ich weiss, dass ich nicht der einzige bin, der während seinen Ferien mit sich selbst zu kämpfen hat. Es scheint die Blütezeit von Versuchungen, Schwermut und Selbstsüchtigkeit zu sein. Meine Ermutigung an uns alle ist, dass Gott auch während unsern Ferien nicht ausschläft und mit uns seine heilsamen Absichten verfolgt. Wenn Gott schon so wenig Aufmerksamkeit und Zeit von uns im Alltagstrott bekommt, dann nimmt er sich halt die Freiheit während den Ferien mit unseren Kämpfen zu dealen. Das tut dann gerne mal weh und verursacht etwas Stress. Aber, hurra, ich hab’s einmal mehr überlebt und habe, Ihm sei alle Ehre, auch ein Bisschen mehr an Reife und Freiheit gewonnen!

 

 

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